Am 16.10.2026 fand in Wien eine „Konferenz der Zivilgesellschaft für Frieden, Neutralität, Umwelt- & Klimaschutz, Wirtschaft und Soziales“ statt.
Im ersten Panel habe ich einen Vortrag gehalten mit dem Thema
Rüstung als Wachstumsmaschine? Perspektiven für ein sozial gerechtes gutes Leben
Die großen Herausforderungen unserer Zeit lassen sich anhand der vier Cs veranschaulichen: Klima, Kapitalismus, Konflikte und Computer (KI). Diese Herausforderungen sind systemisch miteinander verflochten, und einer der verbindenden Faktoren ist, dass es „Grenzen für weiteres Wirtschaftswachstum“ gibt – davor warnte der Club of Rome bereits vor mehr als 50 Jahren. Im Jahr 2022 veröffentlichte der Club das Buch „Earth4All – Ein Survivalguide für die Menschheit“, das die Vision einer Welt entwirft, in der Wohlstand und Wohlergehen für alle auf einem stabilen Planeten erreicht werden.
Rohstoffe spielen dabei eine zentrale Rolle: sie werden für die Energiewende, für „künstliche Intelligenz“ und auch für neue Waffensysteme gebraucht. Ihre begrenzte Verfügbarkeit setzt dem Wirtschaftswachstum selbst Grenzen und verschärft gleichzeitig sich der Wettbewerb weltweit zu lokalen, regionalen bis hin zu globalen Konflikten.
Earth4All zeigt basierend auf der Idee einer „Wellbeing Economy“ einen Ausweg, wenn 5 in diesem Bericht beschriebene „Kehrtwenden“ mutig angegangen werden. In Österreich beschäftigt sich „WeAll Austria“, das nationale Hub der internationalen Wellbeing Economy Alliance, mit diesen Fragen und diskutiert einen „Fahrplan zur Beendigung der Armut jenseits des Wachstums“ mit 80 konkreten Politikvorschlägen, die 400 internationalen Expert:innen unter der Federführung von Olivier De Schutter kürzlich dem UN-Menschenrechtsrat vorgelegt haben.Zu den Reformvorschlägen extreme Ungleichheiten zu reduzieren gehören ein progressives Steuersystem ebenso wie die Besteuerung von Vermögen und ihren Zuwächsen. Doch Maßnahmen zur Reduktion extremer Ungleichverteilung sind nur ein erster Schritt. Vor allem muss sich die Produktions- und Lebensweise in einem Sinn verändern, dass sie sowohl ökologisch nachhaltig als auch sozial verträglich ist.
Es geht aber auch darum, wie Nationalstaaten den Wettbewerb um kritische Rohstoffe organisieren, mit Diplomatie oder Waffengewalt, mit friedlichen oder kriegerischen Mitteln.
So hängen die Herausforderungen der Nachhaltigkeit und des Friedens systemisch eng miteinander zusammen. Und Lösungen dieser Problematik müssen systemisch darauf antworten. Nur sieben Jahre nach „Die Grenzen des Wachstums“ veröffentlichte der Club of Rome 1979 – übrigens in Salzburg – einen weiteren Bericht mit dem Titel „No Limits to Learning“, der von ähnlicher Bedeutung ist. Darin wird die Kluft zwischen systemischer Komplexität und der menschlichen Fähigkeit, mit dieser Komplexität umzugehen, als „menschliche Kluft“ bezeichnet. „Lernen“ muss diese Kluft überbrücken. Individuelles Lernen ist zu langsam, um mit dem Tempo des Wandels Schritt zu halten. Es muss vorausschauend sein und gemeinsam erfolgen. Was benötigt wird, ist „gesellschaftliche“ Vorausschau.
Auf dieser Grundlage hat der Club of Rome gemeinsam mit dem Weltkongress für Umweltbildung (WEEC) kürzlich die globale Initiative „No Limits to Hope“ ins Leben gerufen, die Pädagog:innen, Lernende und Bürger:innen gleichermaßen dazu inspirieren soll, einen globalen Wandel voranzutreiben, um die drängendsten Herausforderungen der Menschheit, und dabei insbesondere Frieden und Nachhaltigkeit, entschlossen anzugehen.
In dieser kritischen Phase hat der Club of Rome eine Initiative ins Leben gerufen, um das Thema Frieden aus einer breiteren, ganzheitlicheren Perspektive zu beleuchten. Das Konzept des „planetarischen Friedens“ (planetary peace) soll als verbindender Rahmen für Resilienz, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit auf allen Ebenen der Gesellschaft dienen.
Quellen:
Earth4All
No Limits to Hope
Planetary Peace
https://www.clubofrome.org/publication/planetary-peace/
WeAll
Roadmap for Eradicating Poverty Beyond Growth