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Pontevedra, wir kommen!

Am Freitag habe ich kurz vor Einsendeschluss noch ein Abstract für die ESEE/degrowth-Konferenz eingereicht, die im Juni in Pontevedra im äußersten Nordwesten Spaniens, also Galizien, stattfinden wird.

Ich war ja schon bei der aller ersten degrowth Konferenz 2008 in Paris und dann 2014 in Leipzig dabei. Die ESEE habe ich vor 30 Jahren praktisch mit aus der Taufe gehoben und war zeitweise auch deren Vizepräsident. Ich erinnere mich an großartige Meetings in Paris Lissabon, Wien oder Paris. Die Konferenzen in Genf und Sousse (Tunesien) musste ich leider aus traurigen (dem plötzlichen Tod meiner Mutter) und glücklichen (Geburt meiner Tochter) auslassen. 

Jetzt war ich schon lange nicht mehr dort. Zum ersten Mal haben sich nun die beiden Vereinigungen (degrowth und ESEE) zusammen getan, um eine gemeinsame Konferenz zu veranstalten. Hier schießt sich also für mich ein schöner Kreis.

Eine deutsche Übersetzung der 399 englischen Worte poste ich unten hinein. Es basiert auf meinen aktuellen („letzten“) Projekte, die hier, hier und hier dokumentiert sind. 

Ich habe wieder vor, mit dem Zug anzureisen, vielleicht über Paris und Barcelona, denn: terran werden ist ja nicht schwer. Mal sehen.


Abstract

Das Konzept, den Fortschritt am Bruttoinlandsprodukt (BIP) zu messen, wurde in enger Abstimmung mit entsprechenden wissenschaftlichen Erkenntnissen (des Keynesianismus als Antwort auf die vorherrschende Neoklassik) und politischen Programmen (des deficit spending – nach der Großen Depression) entwickelt. Die politische Bedeutung des BIP deutet darauf hin, dass Wirtschaftswachstum das implizite Ziel ist. Aber Indikatoren sollten von Zielen abgeleitet werden – nicht umgekehrt. Für einen Wandel hin zu einer nachhaltigeren und verteilungsorientierten Gesellschaft muss die Messung des Fortschritts über das Finanzielle (Einkommen, BIP) hinaus erweitert werden (Binswanger, 2006; R. A. Easterlin, 1974).

Um das zu erreichen, was man als „wellbeing economy“ bezeichnen kann, ist ein grundlegender Wandel auf allen politischen und administrativen Ebenen (lokal, regional, national und multilateral) sowie bei Unternehmen und Einzelpersonen erforderlich. Um zu überprüfen, ob Fortschritte auf dem Weg zu einem besseren Leben für alle (jetzt und in Zukunft) erzielt werden, schlagen wir einen neuen Ansatz vor, der misst, was die am Transformationsprozess Beteiligten wirklich anstreben, anstatt von Experten oder Bürokraten entwickelte Konzepte überzustülpen.

Die Universität für angewandte Kunst Wien und die Universität Salzburg haben sich in mehreren Projekten (Hinterberger et al. 2021, Kirchner et al. forthcoming) mit dem Monitoring nachhaltiger Entwicklung beschäftigt, das aus Zielen abgeleitet ist und BürgerInnen und Stakeholder einbezieht. In partizipativen Workshops begleiten wir BürgerInnen und Stakeholder, um

1.     zu verstehen, was auf dem Spiel steht

2.     Visionen und Ziele formulieren

3.     Wege zur gemeinsamen Erreichung der Ziele auf systemische Art und Weise und

4.     Indikatoren aus den Zielen der Teilnehmer selbst ableiten (und nicht umgekehrt).

Das Ergebnis sind qualitativ und quantitativ formulierte Aussagen, in denen sie ihre Ziele in Form von positiven Zukunftsbildern/Zukunftsgeschichten beschreiben. Auf diese Weise verwirklichen die Teilnehmer ihre Ziele als Team mit allen Beteiligten, ohne dass dies auf Kosten anderer geht.

Daraus folgt, dass Individuen, Unternehmen, Regionen und Länder (letztlich: wir alle auf der Erde als globale Gemeinschaft) ein gemeinsames Systemverständnis und eine Problemerkennung bei der Erreichung ihrer Ziele im Hinblick auf Synergien und Trade-offs sowie auftretende Probleme und Konfliktpotentiale erreichen können.

Dabei werden sowohl künstlerische als auch intellektuelle Aktionen (z.B. systemische Analysen) eingesetzt, um über den Tellerrand zu schauen, aber auch um ein Verständnis dafür zu entwickeln, welche Ziele erreichbar sind und nicht bloßes Wunschdenken bleiben müssen.

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