Alles wie früher?

Alles wie früher?

Am vergangenen Mittwoch bekam ich meine erste Teilimpfung gegen COVID. Am kommenden Mittwoch endet in Österreich der Lockdown. Es wird sicher nicht alles wie früher. Von einigem hat man sich ja schon entwöhnt. An diesem Blog im Kaffeehaus schreiben zum Beispiel. Wo fang ich damit an?

Alles wie früher? Alles neu? Zuerst privat:

Um den Stier bei den Hörnern zu packen, planen meine Liebste und ich bei aller damit verbundenen Unsicherheit gerade unsern Urlaub. Besuch bei Ingrids Sohn Nino in Bilbao. Nicht mit dem Flieger natürlich sondern mit dem Zug. Interrail – wie ganz früher. Wien – Mailand – italienische Riviera – Cote d‘ Azur – Barcelona – Bilbao – Barcelona – Lyon – Genf – Zürich – Wien. Drei Wochen alles in allem, davon 12 Tage im Baskenland incl. eines kleinen Stücks Jakobsweg von Irun nach Bilbao.

Noch spannender: wir planen ein Haus zu bauen. Nicht alleine, sondern in der (Bau-)Gruppe: MONA 21. Plötzlich ergibt sich die Möglichkeit, vieles von dem, worüber ich forsche und kommuniziere, in meine eigene Zukunft zu integrieren. Darüber nachdenken, wie wir mit den Themen Gesundheit, Ökologie, Konsum, Arbeit, Wirtschaft… gemeinsam umgehen und welche positiven wie negativen Einflüsse unser Handeln auf andere hat – von der Nachbarschaft bis ans andere Ende der Welt.

Darüber reden/vereinbaren/planen, wie wir in naher Zukunft leben können und wollen. Immer mit dem Ziel / auf dem Weg zu einem guten Leben für uns und und Umwelt, Menschen und Natur, innerhalb der planetaren und sozialen Grenzen. Wir – als Menschen und Unternehmen. Denn MONA 21 ist nicht nur eine Gemeinschaft von Menschen, die in 2-3 Jahren zusammen leben wollen, sondern auch ein Unternehmen. Genauer: eine Genossenschaft.

Vielleicht können wir dann auch auf uns selber anwenden, was ich gerade gemeinsam mit Rainer Schultheis, Wolfgang Pekny und anderen als Beratungsprogramm für Unternehmen entwickle, die es wirklich wissen wollen und das, was sie wissen, auch ernst nehmen im Sinne von: einen Beitrag zur „Klimaneutralität bis 2040“ zu leisten, die ja immerhin schon im Regierungsprogramm steht. Besonders spannend, wenn es uns gelingt, Unternehmen in Gründung, dabei zu helfen, sich von Anfang an auf einen solchen Weg zu machen.

Womit wir bei der Politik wären. Ein gutes Jahr nach meiner ersten Lecture4Future (2 Tage vor dem ersten Lockdown an der Veterinärmedizinischen Fakultät) habe ich meine diesjährige Lecture4Future gehalten. Eingeladen dazu hat mich mein alter Freund und SERI-Kollege fast der ersten Stunde, der heute den Studiengang Umwelt- und Nachhaltigkeitsmanagement an der Fachhochschule Krems leitet.

Unter dem Label „sustainability.tv“ haben wir vor 20 Jahren schon Nachhaltigkeitsveranstaltungen gestreamt, unter anderem von der UN-Nachhaltigkeitskonferenz 2002 in Johannesburg ins Haus der Industrie am Wiener Schwarzenbergplatz und wieder hinaus zu zugegebenermaßen sehr wenigen Zuseher*innen.

Zurück zur Lecture4Future. Mein diesjähriges Thema lautet: „Wirtschaft und Klima nach der Pandemie – (wie?) geht das zusammen?“ Nach der (Covid)-Krise ist vor der (Wirtschafts-)Krise. Kommt die Klimakrise dabei unter die Räder. Der Vortrag soll zeigen, dass das passieren kann, aber nicht muss. Im Gegenteil: das Motto für ein wirtschaftliches Wiederaufbau kann und muss lauten: build back better! Der Vortrag zeigt auf, wie das gehen kann. Präsentation, Video und weitere Tourdaten finden sich hier.

Ich werde die Lecture demnächst für die Wiener Wirtschaftsuni auch als Video-Talk aufnehmen. Im letzten Zyklus war mein Vortrag die meistgeklickte Lecture4Future an der WU.

Noch einmal „apropos Politik“. Im Rahmen des UniNEtZ-Projektes arbeiten wir gerade daran, die 150 Optionen (also einige tausend Seiten Text) auf 50 Seiten zu kondensieren. Spannend und schwierig. Aber es ist klar, dass wir nur so eine über die üblichen Verdächtigen hinaus gehende Verbreitung finden können.

Womit ich bei meinem Lieblingsthema bin: Politik, Wissenschaft und Kunst. Am Feiertag war ich noch im Kunsthaus Wien, wo sich Herwig Turk mit dem Tagliamento, dem letzten ungezähmten Fluss im Alpenraum, beschäftigt(e). Und wenn die Kinos wieder öffnen, freue ich mich auf Oekonomia im Filmhaus am Spittelberg. Bye bye Streaming!

Im Juni kehre ich endlich auch physisch wieder an die Angewandte zurück, wo die Nachhaltigkeitsprojekte ein neues Büro im Otto-Wagner-Bau der alten Postsparkasse  bekommen, worauf ich mich schon sehr freue. I keep you posted. Stay tuned!